Verprobungsphase

Entwicklungsphasen Verprobung

Lupe auf Phasengrafik mit Fokus Verprobung.

Was ist das Ziel der Verprobung?

Aus der Erkundung kommen Sie mit dem Serviceversprechen, das die Ziele des Online-Services enthält. Sie bringen aber auch viele Annahmen zur Gestaltung einer möglichen Lösung mit. Zweck der agilen Entwicklung ist die frühzeitige Validierung von Annahmen. Manche dieser Annahmen sind durchaus risiko-behaftet. Das heißt, falls sie nicht zutreffen, könnte das Projekt scheitern. Wir sprechen deshalb von Hypothesen, um die Unsicherheit dieser Annahmen zu verdeutlichen. Sie verproben die wichtigsten Hypothesen in dieser Phase.

Ziel der Verbrobungsphase ist es, die Machbarkeit hinreichend zu beweisen. Je nachdem, wie die spätere Umsetzungsphase gestaltet werden soll, kann das Bedürfnis nach Sicherheit in Bezug auf die Machbarkeit der Umsetzung unterschiedlich sein. Da unter Umständen am Ende der Verprobung Vergabeverfahren durchgeführt werden, ist ein gewisses Maß an Klarheit über die zukünftige Lösung wichtig.

Aktivitäten in der Verprobung

Prototypen-Erstellung

Die Hauptaktivität liegt in dieser Phase in der Erstellung von Prototypen. Sie sollen die Hypothesen belegen oder wiederlegen, die in der Erkundung aufgestellt wurden. 

Welche Prototypen Sie entwickeln, hängt von den Hypothesen ab, die es zu validieren gilt. Denkbar sind unter anderem:

Konfiguration einer nachnutzbaren Lösung

Auch die Konfiguration einer nachnutzbaren Lösung kann während der Verprobung erfolgen. So erkennen Sie schnell, ob die zur Nachnutzung in Betracht gezogene Lösung Ihren Ansprüchen standhält.

Produkt-Backlog

Im Verlauf der Verprobung erstellen Sie bereits das Produkt-Backlog. In diesem Artefakt erfassen Sie die Anforderungen zur Umsetzung. Wichtig ist, dass der Detailgrad des Backlogs und seiner User Stories von den Bedingungen im Vergabeverfahren abhängt. Idealerweise müssen Sie nicht alle Details schon in der Verprobung bestimmen, sondern können das sogenannte Refinement des Backlog auch während der Umsetzung noch durchführen. Wenn möglich, führen Sie ein agiles Vergabeverfahren durch.

Dokumentation der Ergebnisse

Es ist ebenfalls empfehlenswert, die Erkenntnisse aus der Verprobung und damit die Entscheidungen über die spätere Lösung festzuhalten. Folgende Punkte können dem späteren Umsetzungspartner oder neuen Team-Mitgliedern helfen:

  • Serviceversprechen
  • Ist-Zustand
  • Randbedingungen
  • Systemkontext
  • Nutzerreise und Service-Landkarte
  • Funktionalitäten (Verweis auf Produkt-Backlog)
  • Qualitätsanforderungen
  • Migration (ggf. von einem Altsystem)
  • Fachliche Risiken
  • Lösungsstrategie
  • Technische Randbedingungen
  • Technische Risiken
  • Wichtige Entscheidungen

Interdisziplinäres Team

In der Verprobungsphase benötigen Sie mehr Kompetenzen als in der Erkundungsphase.

Welche Kompetenzen werden benötigt?

Definition des Minimalprodukts

Die Ideen für den zukünftigen Service gehen oftmals über die Machbarkeit hinaus. Daher ist es wichtig, dass eine minimale Menge an Funktionen definiert wird, die einerseits machbar ist und andererseits für den Nutzer noch genug Wert darstellt. Diese Menge wird als Minimum Viable Product (MVP) bezeichnet, oder einfach als Minimalprodukt. Das Minimalprodukt wird später der erste Meilenstein und das erste Release der Umsetzungsphase sein.

In der Verprobung müssen Sie zunächst ein Minimalprodukt definieren. Denn spätestens in der Verprobung haben sie ausreichend Informationen, um sich auf die wichtigsten Funktionen zu fokussieren. Dazu führen auch Beschränkungen in der technischen und rechtlichen Machbarkeit.

Um das Minimalprodukt zu definieren, empfehlen wir ein Story Mapping. Diese Methode hilft Ihnen, das Backlog in eine am Nutzer ausgerichtete Form zu überführen und das Minimalprodukt zu planen. Story Mapping funktioniert nur, wenn Sie es in einem Workshop mit dem interdisziplinären Team durchführen. So es entsteht ein gemeinsames Verständnis, in das die Perspektiven aller Teilnehmer*innen einfließen.

Rechtliche Anpassungen

Das Ziel, eine machbare Lösung zu finden, kann durch rechtliche Hürden behindert werden. Wenn der Nutzen des Services nur sinnvoll durch eine rechtliche Anpassung erreicht werden kann, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diese Prozesse anzustoßen. So kann Ihr Projekt zu einem wichtigen Impulsgeber für ein digitaltaugliches Recht werden.

Wahrscheinlich werden Sie das Vorhaben in der Umsetzung erst fortführen wollen, wenn die rechtlichen Anpassungen durchgeführt wurden. Es gibt wertvolle Erfahrungen aus anderen Projekten (ELFE), bei denen rechtliche Anpassungen durch interdisziplinäre Teams aus verschiedenen Ministerien, vollzugsnahen Experten und IT-Wissensträgern erwirkt wurden. Ihr Ziel: Dass rechtliche Anpassungen zu mehr Digitaltauglichkeit führen. Eine Fortführung des Vorhabens macht nur dann Sinn, wenn durch solche Anpassungen ein Service entwickelt werden kann, der Nutzen für die Bürger*innen und Unternehmen bringt.

 

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